Wermut – kurzer Hype, oder längerfristiger Trend?
Im Laufe der Zeit hat der Wermut viele Höhen und Tiefen gesehen. Erfunden wurde das Getränk im 18. Jhdt. im Piemont, damals Königreich Savoyen. Benedetto Carpano steht im Ruf der Erste gewesen zu sein, der seit 1786 seine gewürzten Weine unter diesem Namen vermarktete. Da die Weine nach kurzer Zeit sogar am königlichen Hof geschätzt wurden, war der Erfolg vorprogrammiert.
Erste Hochphase
Um 1900 erfreute sich der Wermut besonders in Spanien, Frankreich und Italien großer Beliebtheit, so dass viele Unternehmen, die meist Mitte bis Ende des 19. Jhdts. gegründet worden waren, überregionale Bekanntheit erlangten. Viele Namen sind heute noch präsent, wie Martini, Cinzano, Cocchi, Noilly Prat und Dolin. Getrunken wurde sowohl pur als Alltagsgetränk, als auch vor dem Essen. Zusätzlich erhielt der Wermut als wichtiger Bestandteil von Cocktails eine Bühne. Auch diese Drinks gelten heute als Klassiker, wie zum Beispiel: Martini Cocktail, Manhattan, Americano, Negroni.
Bedeutungsverlust
Die schwierigen Zeiten in der ersten Hälfte hinterließen auch beim Konsum von Wermut ihre Spuren. Nach Prohibition, Weltwirtschaftskrise und den Weltkriegen hatten sich die Trinkgewohnheiten verändert. Neben Bier und Stillweinen, die einen wahren Boom verzeichneten, entwickelten sich Whisky und andere Spirituosen ebenfalls prächtig. Cocktailmäßig waren ab den 1960ern Gin Fizz und Scotch und Soda populär. Mitte 1970er wurden auch diese durch Vodkadrinks abgelöst. Wermut verkam zusehends zu einem altmodischen Getränk, das wenn überhaupt in dem einen oder anderen Cocktailklassiker zu finden waren.
Wiederentdeckung
Erst das Ende des 20. Jhdts. kam die eine signifikante Wende. Mit der „Retro-Cocktail-Bewegung“ und dem „Craft Cocktail Movement“ rückte die Qualität der einzelnen Zutaten zusehends in den Fokus. Somit steigerte sich auch das Bewußtsein dafür, dass Wermut zum einem gute Qualität eine Rolle spielt und die Produkte auch für mehr als einen den Klassiker verwendet werden können. Der Gin Hype der 2010er Jahre diente als guter Hebel, da Wermut mit Gin hervorragend funktioniert (vgl. Negroni). Der gleichzeitige Trend zum Aperitivo tat sein übriges, da Wermut Spritzer als gute Alternative zu einem – damals allgegenwärtigem – Aperol Spritz anzusehen ist.
Trend zum Wermut
Heute ist der Wermut aus den Sortimenten von Restaurants und Bars nicht wegzudenken. Dem entsprechend haben viele „neue“ Produzenten den Einstieg in den Markt geschafft. Besonders bemerkenswert ist, dass viele Weingüter sich mit Wermut beschäftigen. Entweder im Alleingang, oder in Zusammenarbeit mit Spirituosenherstellern, die ihre Expertise mit Aromatisierung durch die Herstellung von Gin erworben haben. Was definitiv ebenfalls hilft, ist die Tendenz zu Getränken mit weniger Alkohol.
Ob der Trend nachhaltig ist wird die Zukunft zeigen, sicher ist, dass Wermut eine echte Bereicherung im Sortiment vieler Bars darstellt.
Was ist Wermut eigentlich? HIER sind die Fakten zusammengestellt
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